Mittwoch, 15. September 2010

Der Leyen auf den Leim gehen

Reichsarbeitsministerin von der Leyen kündigt an, sich eine Bemessungsgrundlage für Hartz-VI-Sätze nach ihrem und des Finanzministers Gusto zusammen manipulieren zu lassen. Damit blos keiner über diesen dreisten Versuch redet, die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts auszuhebeln, hat sich die Leyen etwas ausgedacht:

Beschäftigen wir doch Volk und Feuilleton damit, dem ungeliebten Kind einen möglichst putzigen Namen zu geben. So gewinnt ja auch der Zoo Aufmerksamkeit und Popularität. Mit ein wenig Glück wird die basisblöde Vokabel Basisgeld so beliebt wie Knut der Eisbär und von der Leyen zur Mutter Theresa der Arbeitslosen gekürt.

Karl-Heinz Deschner wusste noch: "Päpste und Hochstapler wechseln die Namen." Der Gedanke kommt natürlich der Stuttgarter Zeitung nicht, weshalb sie prompt zum fröhlichen Quatschvokabelsuchen lädt. Der Postille ist das gleich zwei Artikel wert. Als Pikanterie am Rande und eher zur Abrundung darf die geplante kreative Regelsatzfindung auch ein wenig bekrittelt werden.

Da darf auch die FAZ nicht nachstehen und titelt originell: Hartz VI soll nicht mehr Hartz VI heißen. Ganze 37 Worte findet die Akademikerbildzeitung für die Kritik an den angedachten Zahlenspielen. Die Dialektik und Didaktik des Begriffs Hartz VI, seine geschichtliche Entwicklung und psycholinguistische Bedeutung dagegen wird episch entfaltet mit gebildeter Dumpfnasigkeit.

Hartz IV soll künftig Basisgeld heißen weiß die Zeit den Artikel der Süddeutschen nicht ganz richtig zusammen zu fassen. Was dort sonst noch stand weiß sie freilich nicht.

Einen Psychologen und Geschäftsführer einer Marktforschungsfirma führt die Frankfurter Rundschau für ihren Beitrag Der Name Hartz soll weg ins Feld. Der erklärt dem staunendem Publikum den Unterschied zwischen Raider und Hartz, während das Blatt feinsinig zu vermelden weiß, dass "von Rechentricks zulasten der Betroffenen zu hören" sei.

Immerhin, die FR hat sich nicht nur darauf beschränkt, den Artikel der Süddeutschen Ab- und umzuschreiben. Allerdings scheint auch sie es nicht der Mühe wert gehalten zu haben im Ministerium nachzufragen, was mit "Wir lassen mehrere Varianten durchrechnen" gemeint ist, und wen man da durchrechnen lässt.

So scheint wenigstens einmal eine Rechnung aus dem Ministerium für Sozialabbau auf zu gehen.