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Donnerstag, 27. Mai 2010

Von Bürgern, Bütteln und Bratärschen

Es begab sich aber zu der Zeit, da alle Welt und jede Allerweltspartei tat, als dauere sie das Los der Armen, auf das niemand spräche über den Gewinn der Reichen. Denn siehe, bald sollte gesalbt werden ein neuer Landesvater oder Väterin im Lande der sturen Westfalen und der frohen Rheinländer. Auch Spruchsame gab es der hohen Richter, das gerechter nun geschätzt werden sollten die Bedürfnisse der Kinder der Ärmsten. Auch erhob sich murren im gemeinen Volke, ob der Geschenke, die gegeben sind worden solchen, die eher durch ein Nadelöhr gehen denn ein ins Himmelreich nach den Worten des Herrn.
Da nun kein Ende war des Wehklagens über die Not der Armen aus den Mündern derer, die diese Not den Armen einst zugedacht, begab sich eine beispielhafte Preisverleihung, Lehrreich wie wie die Gleichnisse, die der Herr uns gab in seiner Güte.
Im Jahre des Herrn MMX huldigte Gabriels Sigmar einem Manne, dessen Leib war wie gezeichnet von nächtlichem Nahrungerwerb an der Tanke und übermäßigem Genuss von Kalbsköpfen, gebackenen Schweinskaldauen und Unschlitt vom Wal. Und siehe der Dickliche huldigte dem Dickeren mit einem Säcklein Silberlingen und dem Gustav-Heineman-Bürgerpreise. Solches aber tat er auf Geheiß der drei Weisen aus der abendländischen Leitkultur, der Wittib Rau, dem Heinemannsohne und des Bodo "Hugenberg" Hombach.
Wer Augen hat zu sehen, der sehe den Namen des Nervenendes unserer Gesellschaft, und der Buchstabe des Nervenendes ist Buschkowsky.

Was nun macht in unserer Preisverleihungreichen Zeit die Verleihung eines Preises an einen benimfernen Bezirksbürgermeister B, und sei es des G-Heinemann-Bürgerpreises, der an Personen gehen soll, die sich "um eine Emanzipierte Bürgergesellschaft verdient gemacht haben" so Gleichnishaft, wenn Kochbuchautoren auf Büchnerpreise hoffen dürfen?

Es wird ein Preis verliehen, durch die Hand und im Auftrage von im weitesten Sinn zur Obrigkeit gehörenden Menschen an einen ebenfalls zur Obrigkeit gehörenden Menschen, der immer wieder den emanzipierten Bürgermut besitzt, auf Menschen verbal einzuprügeln, die nicht das Glück haben, zur Obrigkeit und zum Bürgertum zu gehören.
Die älteren unter uns erinnern vielleicht noch: Dieser Preis sollte einst Engagement trotz Obrigkeit ehren, auch der Obrigkeit trotzendem Engagement.
Jetzt wird ein Herr geehrt, der bei keiner Obrigkeit und keiner Oberschicht je anecken wird, weil die Opfer seiner Anwürfe stets die untersten Schichten unserer Gesellschaft sind.
Ein Mensch, ein Herr, ein Herrenmensch wird geehrt, der die ebenso schlecht ausgebildeten wie schlecht bezahlten Leistungsträgerinnen eines Projekts, für das er gelobt wird, mit Gutsherrengestus mein "Kopftuchgeschwader" zu nennen geruht. Wobei keine Gefahr für ihn besteht, dass diejenigen der so titulierten, die tatsächlich ein Kopftuch besitzen, es ihm links und rechts um die feisten Ohren schlagen. wohl weil jene halt doch ein wenig besser erzogen sind als ihr Dienstherr, und überdies Polizei, Sperrzeiten der Agentur gegen Arbeitslose und öffentliche Empörung drohen. Erwarten dagegen darf dieser ehrenwerte Herr das feinsinnige Schmunzeln der Feuilletonisten.
Da bekommt einer einen Preis für Bürgerangagement der seine ärmeren Mitbürger bezichtigt, das ihren Kindern zugedachte Geld zu versaufen, als sei Armut, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus in eins zu setzen, als sei nicht Alkoholismus recht gleichmäßig in allen Klassen und Schichten verbreitet, bis hin zum letzten Kanzler der Spezialdemokraten, der volltrunken einen seiner letzten TV-Auftritte hatte.
So einer wie der B. ist dann gern gesehener Gast bei Maische Illner und co. wo er seine geistige Dünnsäure verklappen darf, während aus dem Publikum gezerrt werden würde, wer es wagte, zu rufen, man solle den Reichen kein Geld geben, die würden es eh nur verfressen, verzocken und verdummen, in Moritz das Geld für Pelze und Hundehalsbänder im Gegenwert ungezählter Facharbeiterlöhne zum Fenster herauswerfen und den Rest in Steuerparadiesen verstecken.
Einem der pietätslosesten Peinsäcken unter den Bürgerbütteln einem ausgerechnet nach einem Pietisten benannten Bürgerpreis zu verleihen zeigt den Bürger als das was er ist: Das ideelle Gesamtarschloch.

Nur einem aus dem bildungsfernen Bürgertum ist dank fundierter Halbbildung fast noch ein wenig Wahrheit herausgerutscht: Dem vormaligen "keine Fete weit und breit ohne unsern Wowereit", der nämlich nannte Buschkowski einen "Dorfschulzen par exellence". Wie man weiß, war der Dorfschulze der vom Grundherren eingesetzte Büttel, der die unfreien Bauern knechten und drangsalieren sollte. Ob unsere politischen Eliten nur einfach ebenso blöd wie ungebildet sind, oder aber die Demokratie im Grunde ihres Herzens für ein lästiges Übel halten, mag jeder selbst entscheiden.
Die Namen der Grundherren aber entnehme er der nächsten Forbsesliste und dem Wirtschaftsteil seiner Zeitung.